Löwen Frankfurt | Foto: Jürgen Krohne

8 Schüsse. Optisch überlegen. Doch all das nützte den Löwen Frankfurt beim Heimspiel gegen die Bietigheim Steelers am Ende ebenso wenig wieder Frust über einige umstrittene Entscheidungen der Unparteiischen. Denn der Knackpunkt im Spiel war ein anderer: „A stupid penalty“ nannte Löwen-Head Coach Matti Tiilikainen die Szene, die zu einem Powerplay der Gäste und daraus resultierend zum 3:2 (0:0, 2:1, 1:1)-Siegtreffer Bietigheims führte.

Obwohl die Löwen zuvor durch Antti Kerälä und Adam Mitchell vor 4.873 Zuschauern in der Frankfurter Eissporthalle zweimal einen Rückstand ausgleichen konnten und viele weitere Tormöglichkeiten hatten, verließen sie das Eis am Ende unterlegen.

Cold Steel

Nach drei Niederlagen in Serie (gegen Bayreuth, Bad Nauheim und Ravensburg) traten die Steelers in Frankfurt höchst motiviert mit dem Ziel an, ihre jüngste Negativserie zu beenden. Von einem Formtief war dann am Freitagabend auch wenig zu sehen. Zwar bestimmten die Löwen über drei Drittel das Spiel – was die Schussbilanz von 48:27 eindrucksvoll untermauert – doch das eine Tor mehr erzielten nunmal die Steelers. „Das wir nach diesem intensiven Spiel, bei dem wir von Anfang bis Ende alles gegeben haben dennoch nicht als Sieger vom Eis gehen, ärgert uns sehr“ attestierte auch Mathieu Tousignant.

Die Löwen begannen die Partie ausgeruht, aber keinesfalls eingerostet. Zumal den Coaches die zusätzliche Trainingszeit unter der Woche durchaus gelegen kam, um den vor einer Woche verpflichteten Goalie Ilya Andryukhov ins Team zu integrieren – zumindest insoweit dies in nur einer Woche möglich ist. Doch offensichtlich gelang dies zur Zufriedenheit von Tiilikainen & Co, die Andryukhov bei seinem ersten Heimspiel das Vertrauen schenkten und den Deutsch-Russen gegen Bietigheim von Beginn an starten ließen.

Erstmals nachhaltig in Erscheinung trat Andryukhov in einem Unterzahlspiel ab der 5. Minute, als er Freddy Cabanas Snapshot aus kurzer Distanz dank starkem Positioning den Weg ins Tor versperrte. Auch einen Schuss von Norman Hauner, bei dem ihm Shawn Weller die Sicht komplett versperrte, fischte Andryukhov souverän aus der Luft.

Löwen Frankfurt | Foto: Jürgen Krohne

Löwen übernehmen

Nach der überstandenen Unterzahl ordnete sich das Spiel ein wenig, nachdem es in den ersten Minuten als rechte wilde Partie mit mehreren „Odd Man Rushes“ auf beiden Seiten begonnen hatte. Gemessen an den Spielanteilen, kam den Löwen die einziehende Ordnung im Spiel durchaus mehr zu Gute als Bietigheim. Mitchell (10.) aus dem High-Slot und Matt Pistilli (13.) aus spitzem Winkel hatten erste gute Gelegenheiten für die Löwen, die das Spiel minütlich mehr kontrollierten.

Immer häufiger gelang es den Löwen nun, kontrolliert und mit Tempo ins Drittel der Bietigheimer einzudringen. Für Gefahr sorgten sie dabei vor allem mit Ablagen der Stürmer auf die nachrückenden Verteidiger. So klingelte Tim Schüle mit einem Handgelenksschuss in der 15. Minute schonmal am Pfosten. Einen Schuss von Kevin Maginot konnte Ilya Sharipov im Tor der Steelers gerade noch entschärfen (17.).

Erst eine Strafe in der 17. Minute unterbrach die Angriffswelle der Löwen und verlagerte das Spiel wieder zu Andryukhov, der für die Steelers aber erneut nicht zu überwinden war. Großen Anteil hieran hatte auch die Abwehr der Löwen, die Bietigheim nur wenig gute Abschlussgelegenheiten ermöglichte und zudem mehrfach Schüsse blockte. Trotz der beiden Powerplays kamen die Steelers im 1. Drittel so nur auf ganze 9 Schüsse, gegenüber 15 der Löwen.

Breaking the tie

Allerdings agierten auch die Löwen in ihren ersten beiden Überzahlgelegenheiten zu Beginn des 2. Drittels nicht erfolgreicher. Als die Löwen in der 24. Minute dann doch endlich die Scheibe ins Tor brachten, verweigerten die Schiedsrichter dem Treffer die Anerkennung, da sie im Getümmel vor dem Tor die Scheibe aus den Augen verloren hatten und das Spiel (unhörbar für die 4.873 Zuschauer) zuvor abgepfiffen hatten.

So war es letztlich doch den Gästen vorbehalten den ersten Treffer der Partie zu erzielen. Bei angezeigter Strafe und gegen fünf sichtbar müde gespielte Löwen brachte Weller die Steelers in Führung, als er einige Meter vor dem Tor wartend einen Schuss von Tyler McNeely unhaltbar abfälschte (25.).

Doch nicht erst seit den Comeback-Erfolgen gegen Bad Nauheim und Weißwasser beeindruckt die Löwen kaum noch ein Rückstand, auch wenn der Ausgleich in einem Powerplay kurz nach dem Rückstand noch nicht gelingen wollte.Auch bei gleicher Spielzahl auf dem Eis drängten die Löwen Bietigheim in deren Drittel. Brett Breitkreuz fand den vor dem Tor von Bietigheims Defense vergessenen Kerälä, der allein vor dem Tor kälter als die Nacht in Helsinki blieb, Sharipov mit einer kleinen Täuschung aussteigen ließ und den Puck hinter dem Goalie ins Tor legte.

Beim 1:1 blieb es allerdings nur knapp drei Minuten, da Alexander Preibisch Bietigheims Führung mit einem verdeckten Flachschuss zügig wiederherstellte und die Löwen damit zum Schlussabschnitt wieder vor die Herausforderung eines (kleinen) Comebacks stellte. Das 2:1 war ein korrekter Treffer, dem aber eine äußerst unschöne Aktion vorausgegangen war. Benjamin Hüfner hatte kurz zuvor bei einem Angriff der Gäste zu intensiv nachgesetzt und Andryukhov einen Faustschlag auf dessen Maske gegeben – auf den Pfiff warteten die Zuschauer aber vergebens. Und so gab es statt einem Powerplay für die Löwen das eben beschriebene 1:2.

Zweiter Ausgleich nicht belohnt

Doch schon mit dem zweiten Wechsel des 3. Drittels ließen die Löwen ihre Fans wieder jubeln. Einen etwas verunglückten Schuss von Carter Proft angelte sich Mitchell im Slot vor dem Steelers-Gehäuse und legte den Puck mit der Rückhand um Sharipov herum ins Tor (42.).

Natürlich blieben die Löwen in der Folge weiter tonangebend, während die Steelers sich lediglich auf das Verwalten des Unentschiedens fokussierten und geduldig auf ihre eine, möglicherweise entscheidende Chance warteten. Dass sich diese in Form von Schüles Strafe, der sich in der 53. Minute nach einem Bietigheimer Stockschlag zu einer postwendenden Revanche hinreißen ließ und dafür prompt auf die Strafbank geschickt wurde, auch noch genau so ergab, erfreute Steelers-Coach Hugo Boisvert nach dem Spiel natürlich.

„Mit dem 3:2 haben wir uns für das gute Dagegenhalten im 3. Drittel belohnt, als die Löwen immer besser wurden“ empfand Boisvert. Auch wenn die Löwen und Andryukhov in Unterzahl den Steelers zunächst schon wieder den Zahn zu ziehen schienen, blieben die Gäste geduldig und kapitalisierten in der entscheidenden Szene. Über McNeely lief der Puck zu Hauner, der mit einer unorthodoxen Finte nicht nur seinen Verteidiger sondern auch Andryukhov täuschte und zum 3:2 für Bietigheim traf (54.).

Obwohl Tiilikainen 2:33 Minuten vor dem Ende schon alles auf eine Karte setzte, Andryukhov zu Gunsten eines sechsten Feldspielers aus dem Tor nahm, und die Löwen damit mehr als nur eine Ausgleichschance generierten, blieb ihnen der dritte Ausgleich bis zur Schlusssirene verwehrt. Die beste von vielen guten Chancen hatten die Löwen zwei Sekunden vor dem Abpfiff, als der Puck durch Sharipovs Beine rutschte, er ihn aber noch auf der Linie liegend sichern konnte.